Ariel Atom 3 245

Weniger ist mehr – so lautet die Devise beim Ariel Atom. Hier wird zugunsten des Gewichts auf fast alles verzichtet, was zum Fahren nicht benötigt wird. Im Endeffekt bedeutet das: 245 PS und 456 kg.

Brachiales Fahrerlebnis – Ariel Atom
ariel-atom-1-532x318

Ariel Atom – wer hier einsteigt, muss entweder komplett verrückt oder todesmutig sein. Das Auto bietet brachiale Fahrleistungen. Auto wäre allerdings zu viel des Guten, der Begriff Roadster passt auch nicht – zu niedlich. Das ist kein Auto, das ist ein Rennwagen mit Straßenzulassung.

Tim Schrick: DMAX D-Motor Test des Ariel Atom

Hat man sich erst einmal in den engen Schalensitz hineingequetscht und die Hosenträgergurte angelegt, fällt der Blick auf das freiliegende Lenkgetriebe und die Aufhängung – die Formel 1 lässt grüßen. Was man nicht sieht, sind die vielen Fliegen, welche einem beim Fahren um die Ohren fliegen – der Atom besitzt keine Windschutzscheibe. Wozu auch? Bringt doch alles zu viel Gewicht auf die Waage. Vielleicht sollte man besser einen Helm tragen, dann weht auch nicht so ein Orkan an den Haaren und das Fliegenproblem wäre auch gelöst. Wobei: Ein Helm bringt wieder zusätzliches Gewicht – und das steht im Gegensatz zur Philosophie von Simon Saunders – dem Chef der Firma.

Die Form folgt dem Zweck – hier der Ariel Atom 500

Der britische Autohersteller Ariel produzierte von 1870 bis 1967 ausschließlich Zweiräder. Im Jahr 1998 kaufte Saunders das Unternehmen auf, der Tradition bleibt er allerdings bis heute treu: erst die Funktion, dann die Form. Ariel lässt demnach beim Atom alles weg, was unwichtig ist oder zu viel Gewicht bedeuten würde: Windschutzscheibe, Türverkleidungen, Verdeck, Sitzpolster, Karosserie – alles unnötiger Schnickschnack. Was bleibt, ist ein solider Rohrrahmen, zwei Sitzschalen, vier Räder und ein Zweiliter-Motor.

245 PS treiben 456 kg an
Der 201 PS starke Motor aus dem Honda Civic Type R wird mittels Kompressoraufladung auf 245 PS befeuert. Das macht ein Leistungsgewicht von unglaublichen 1,86 Kilogramm pro PS. Zum Vergleich: Ein PS des Bugatti Veyron muss 1,89 kg mit sich herumtragen. Der Ariel Atom beschleunigt getreu dem Motto: “Nur Fliegen ist schöner”. In 2,5 Sekunden geht es auf Tempo 100 – ein absolut wahnsinniger Wert. Ferrari, Lamborghini, Porsche – was ist das? Der Atom steckt sie alle in die Tasche – zumindest was die Beschleunigung und die Kurvenlage angeht. Die Beschleunigung ist dabei ummantelt vom durchtriebenen Jaulen des Kompressors. Lediglich beim Anlassen macht sich zunächst Ernüchterung breit: kein lautes Brüllen, kein Donnerwetter – lediglich ein heisernes Grummeln. Schaltfaule sind im Ariel fehl am Platz – die Boden-Boden-Rakete braucht Drehzahlen. Erst ab 5.000 Touren geht es so richtig vorwärts, bei 8.500 Umdrehungen pro Minute ist Schluss – mit dem Schalten kommt man daher kaum hinterher.

Boden-Boden Rakete: Der Ariel Atom

Echte Könner am Lenkrad gefragt
Ähnlich beeindruckend wie die irrwitzige Beschleunigung ist der Bremsvorgang. Der Ariel Atom geht in die Bremsen, als würde er einen Anker werfen. In den Kurven krallt er sich förmlich am Asphalt fest – Traktion und Handling bekommen im Atom eine neue Dimension. Die Lenkung benötigt nur ganz leichte Lenkeinschläge und der Ariel folgt unaufhaltsam dem Willen des Fahrers. Selbstüberschätzung führt jedoch schnell in den Graben. Wer einen Ariel Atom fährt, muss sich in Selbstbeherrschung üben: zu viel Gas und der ultra-leichte Renner dreht sich im Kreis. Im Ariel Atom gibt es weder Servolenkung, ESP noch ABS – kostet ja auch alles unnötiges Gewicht. Andere Supersportwagen fühlen sich im Handling-Vergleich wie ein schwerer Sack Zement an. Man könnte meinen, der Ariel wäre nur für die Rennstrecke konzipiert worden. Falsch gedacht: Er bietet überraschend viel Komfort. Dennoch ist der Ariel Atom eine reine Fahrmaschine, die alles demoralisiert, was ihm in die Quere kommt. Was bleibt, ist die Frage nach dem Preis. Gut 50.000 Euro sollte man übrig haben. Dann bekommt man ein Fahrzeug, was ähnlich schnell beschleunigt wie der 1001 PS starke Bugatti Veyron – aber der kostet über 1 Million Euro.

Veröffentlicht am 30.08.2011 in Autos

Kommentar hinzufügen
Name [wird veröffentlicht]
Emailadresse [geheim]
Homepage [wird veröffentlicht]
Kommentar: