Lotus 2-Eleven

Ein Fahrerlebnis der ganz besonderen Art bietet der 2-Eleven aus der britischen Fahrzeugschmiede Lotus. Von Lotus ist man ja so einiges gewohnt, doch der 2-Eleven stellt alles bisherigen Autos der traditionellen Marke gehörig in den Schatten.

Lotus 2-Eleven
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In Zeiten gestiegener Komfortansprüche und immer strengeren Sicherheitsauflagen werden Automobile immer schwerer. Um das erhöhte Fahrzeuggewicht dennoch sportlich zu bewegen, braucht es natürlich mehr Motorpower. Die britische Sportwagenmarke Lotus geht exakt den umgekehrten Weg. 39,7 – das ist das Alter des durchschnittlichen Lotus-Kunden. Damit hat die Marke die weltweit jüngsten Käufer. Zum Vergleich: Rolls-Royce-Kunden sind mit 59,8 Jahren deutlich älter. Es stellt aber auch kein Wunder dar, dass Lotus die Marke mit den jüngsten Kunden ist – man muss sich nur den 2-Eleven etwas näher anschauen.

Weniger Gewicht, dafür auch weniger Power – Lotus geht den umgekehrten Weg

Windschutzscheibe? Dach? Türen? Das Auto ist weit entfernt von Alltagstauglichkeit, doch braucht man das? Zumindest nicht im Lotus 2-Eleven. Das Fahrzeug verzichtet auf so gut wie alles, was Gewicht verursacht. Mit Mainstream hat das nichts mehr gemein, aber genau diese Konsequenz macht Lotus aus.

Auf Luxus müssen Lotus-2-Eleven-Fahrer komplett verzichten

Der 2-Eleven verkörpert die einstige Philosophie von Firmengründer Colin Chapman “Performance through Lightweight” zu 100 Prozent. Diese Mentalität brachte Lotus zwischen 1965 und 1978 insgesamt sieben Konstrukteurstitel in der Formel 1 ein. Allein der Blick ins Cockpit reicht aus, um zu wissen – dieses Auto ist Motorsport pur. Spartanischer geht es nicht: Eine Handvoll Knöpfe und Schalter, Handbremse, Schaltknüppel, Lenkrad, Blinkerhebel, Vierpunktgurte – das muss reichen. Das Aluminium-Monocoque verzichtet auf alles, was nicht zum Fahren gebraucht wird. Windschutzscheibe, Türen und Dach wurden zum Zweck der Gewichtsreduzierung konsequent verbannt. Stattdessen gibt es einen Überrollbügel, der sich über den Innenraum spannt, und eine winzige Scheibe, die etwas weniger Luftwiderstand verursacht. Außenspiegel gibt es dagegen drei, allerdings auf minimalste Größe reduziert. Das stört dank der optimalen Rundumsicht jedoch nur marginal. Worauf man jedoch auf keinen Fall verzichten sollte, ist ein Helm – nichts ist nerviger, als ständig Fliegen aus den Mundwinkeln zu streichen.

Mit 255 PS in 4,0 Sekunden auf 100 km/h

Auch wenn der Lotus 2-Eleven primär für die Rennstrecken dieser Welt konzipiert wurde, bringt er auch auf Landstraßen ein breites Lächeln ins Gesicht des Fahrers. Das Beschleunigungsvermögen ist enorm, die 1,11 Meter flache Flunder zuckt schon bei kurzen Gasstößen gewaltig nach vorne. Vor allem in engen Kurven und spitzen Kehren kommt dem Lotus sein geringes Eigengewicht zugute. Beschleunigung und Fliehkraft bekommen im 2-Eleven eine völlig andere Bedeutung. In Zahlen: 4,0 Sekunden benötigt der 2-Eleven für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Bis Tempo 180 vergehen 14,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beziffert sich auf 241 km/h. Diese Werte sind bei einer Leistung von nur 255 PS mehr als ordentlich. Genau wie bei den anderen Exige- und Elise-Modellen von Lotus ist das 1,8-Liter-Aggregat als Mittelmotor hinten den beiden Schalensitzen eingebaut. Dadurch ist das Fahrzeuggewicht nahezu optimal ausgewogen. Die Verzögerung mit der AP-Racing-Bremse fällt allerdings noch beeindruckender aus. Aus 200 Stundenkilometer kommt der Brite schon nach 122,8 Meter zum Stehen. Umgerechnet entspricht das einer negativen Beschleunigung von 12,6 m/s² – beachtlich.

Die enormen Beschleunigungs- und Verzögerungswerte sind natürlich hauptsächlich auf das geringe Gewicht des 2-Eleven zurückzuführen. Durch den konsequenten Leichtbau aus Kunststoffkarosserie und Aluminiumrahmen kommt der Lotus auf ein Gesamtgewicht von lediglich 745 Kilogramm. Das Auto hätte bestimmt auch dem 1982 verstorbenen Chapman gefallen: keine elektronischen Fahrhilfen, eine knackige Schaltung und ein spritziges Heck in Kurven – das sind die Zutaten für eine ordentliche Portion Fahrspaß.

Fahrspaß in seiner reinsten Form
Der Lotus 2-Eleven ist ganz gewiss kein Alltagsauto, für den gelegentlichen Ausritt auf der Landstraße oder sogar auf der Rennstrecke macht der Brite eine ausgesprochen gute Figur. Der 2-Eleven bietet Fahrspaß in seiner reinsten Form, aber auch eine gehörige Portion Unvernunft und Kühnheit – Jugend eben. Wobei man beim Klettern über die Karosserie, dem gleichzeitigen Beugen um den Überrollkäfig und dem anschließenden Einfädeln in den Sportsitz nicht gerade sehr lässig aussieht – auch nicht mit 39,7 Jahren. Der Preis beläuft sich übrigens auf knapp 60.000 Euro.

Veröffentlicht am 14.12.2011 in Autos

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