Lotus Evora

Lotus schlägt mit dem 2+2 sitzigen Evora einen neuen Weg ein und versucht den Spagat zwischen Fahragilität und Alltagstauglichkeit. Er ist größer, komfortabler, leiser und stärker als alle bisherigen Einstiegsmodelle des britischen Fahrzeugherstellers. Wie viel Lotus bleibt dem neuem Sportwagen erhalten?

Lotus Evora
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Der Evora bringt fast so viele Kilos wie ein gut ausgestatteter Golf auf die Waage
Lotus – die Automobilmarke steht für Kompromisslosigkeit, Leichtbau, erstklassige Fahrwerke und eine extrem hohe Fahrdynamik. Doch der neue Evora macht Schluss mit den alten Tugenden – satte 1.401 kg bringt der Lotus vollgetankt auf die Waage. Das ist in etwa so viel wie ein gut ausgestatteter VW Golf 6. Das klingt schon fast nach Hochverrat an Firmengründer Colin Chapman, für den Leichtbau das Maß aller Dinge darstellte – oder ist der Evora trotzdem ein waschechter Sportwagen aus dem Hause Lotus?

Lotus Evora

Der Fond ist zumindest vorhanden
Immerhin bietet der Lotus Evora Platz für bis zu vier Personen, wobei die hinteren zwei Sitze allenfalls für Kinder im Vorschulalter geeignet sind. Doch selbst für Vorschulkinder fällt der Knieraum recht dürftig aus – ein Porsche 911er hat hier freilich mehr Platz zur Verfügung. Im Vergleich zu einem Porsche Cayman oder einem Nissan 370Z hat der Lotus natürlich 100 Prozent mehr Rücksitzbank zu bieten. Insbesondere Mittelmotorsportwagen haben hinter der ersten Sitzreihe meistens direkt den Motor verbaut – beim Evora ist der Fond immerhin vorhanden.

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Das Problem mit dem Platzmangel hat auch Lotus erkannt und bietet daher eine Variante mit Netzen zur Sicherung von Gepäckstücken statt einer Rücksitzbank. So kann der zusätzliche Platz als zweiter Kofferraum genutzt werden. Apropos Kofferraum – dieser hat ein Fassungsvermögen von knapp 160 Liter. Damit stellen die Netze sicherlich keine allzu schlechte Wahl dar, außerdem verringert sich auch noch das Gewicht des Evora – Chapman würde dies sicherlich begrüßen.

Lotus Evora S

Vorne gibt es dagegen mehr Platz als in den üblichen Lotus-Modellen, dennoch muss man sich erst einmal in den Innenraum hineinzwängen. Erstmal angekommen schweift der Blick über die ansprechende Interieur-Gestaltung. Im Gegensatz zum Lotus Elise oder Exige kann man hier wirklich von Gestaltung sprechen – viele Flächen sowie die gut konturierten Sitze sind mit Leder bezogen, auch die Verarbeitungsqualität überzeugt auf Anhieb. Endlich sind die Sportsitze nicht nur in der Längsrichtung verstellbar, sondern auch in der Lehneneinstellung. Die Instrumente sind hingegen weniger gut abzulesen und neigen zudem stark zum Spiegeln. Praktisch wären auch etwas mehr Ablagen, wie z.B. ein Getränkehalter.

Lotus Evora S

Erwachsenes Fahrverhalten
Mit 4,34 Meter ist der Evora deutlich länger als die Elise (3,79 Meter). Die 50 cm Mehr-Länge und insbesondere die gut 400 kg, die der Evora mehr auf die Waage bringt, machen sich selbstverständlich beim Handling bemerkbar – so wieselflink wie die Elise lässt sich der Evora nicht um Kurven bewegen. Dennoch liegen die Kurvengeschwindigkeiten weit über denen eines herkömmlichen Autos aus der Mittelklasse. Hier merkt man dem Evora seine Abstammung deutlich an. Der Evora mag zwar nicht ganz so agil auf der Straße fahren wie ein Lotus Exige, dafür bietet er aber auch entsprechend mehr Federungskomfort, weniger Fahrwerksgeräusche und ein nicht ganz so nervöses Fahrverhalten. Der Lotus ist erwachsener geworden – ob man das mag, muss jeder für sich persönlich entscheiden.

Das Tracktool: Der Lotus Evora GTE

Ab 3.000 Umdrehungen pro Minute verändert der Evora seine Tonlage
Im Leerlaufbetrieb verrichtet das V6-Aggregat seine Arbeit nahezu unspektakulär, auch mit einem Druck auf die Sporttaste verändert sich die Geräuschkulisse nur wenig. Dreht man den Motor allerdings über 3.000 Touren, wechselt der V6 sofort seine Tonlage. Kräftiger Vorwärtstrieb stellt sich ab ca. 4.000 Umdrehungen pro Minute ein, bevor bei 6.600 U/min drei rote Leuchtdioden im Drehzahlmesser den Spaß am Hochdrehen verderben und zum Gangwechsel auffordern. Bei gedrückter Sporttaste beschleunigt der Lotus in 5,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Dabei stellt sein 280 PS starker Sechszylinder ein maximales Drehmoment von 350 Nm bereit. Bei der Höchstgeschwindigkeit können all seine Firmen-Geschwister nicht mithalten – 261 km/h Topspeed gibt der Hersteller an. Beim Verbrauch kommt der Lotus Evora auf gut 12 Liter pro 100 Kilometer – ein klassenüblicher Wert. Weniger klassenüblich ist dagegen der hohe Preis: Mindestens 59.990 Euro werden für den Lotus Evora fällig, mit 2+2-Option steigt der Preis auf 63.500 Euro an. Ein vergleichbarer Porsche Cayman kommt auf knapp 50.000 Euro Einstiegspreis – hat dafür aber eine schlechtere Beschleunigung.

Porsche, zieh dich warm an – der Evora GTE kommt :-)

Insgesamt überzeugt das Konzept des Evora: Lotus-typische Fahrleistungen und hohe Exklusivität gepaart mit einem anständigen Federungskomfort und einem gewissen Maß an Alltagstauglichkeit machen den Evora zum Geheimtipp unter den Sportwagen.

Veröffentlicht am 14.12.2011 in Autos

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Kommentar:

Christian schrieb am 24.02.2012 um 19:54 Uhr

Ich habe Benzin im Blut
Beim Anblick dieses Autos gehen meine Drehzahlen in den roten Bereich .